Gespräche aus OZ #2

offene Zukünfte JantjeJantje

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„Ich habe hier ein Essay aus der Zeit mit dem schönen Titel „Wenn das alles vorüber ist“ von Dirk Peitz:
Zusammengefasst spricht er davon, dass der Satz „wenn das alles vorüber ist“ unserer momentanes Leben füllt und beschreibt das, was darauf folgt als die fehlende Zukunft. Etwas das aus „vollständiger und kollektiver […| Ungewissheit […] als individuelle Erfahrung besteht und von gewusstem Nichtwissen und wahrscheinlich auch nicht gewusstem Nicht-Wissen gepflastert ist, was es uns schwer macht jetzt Entscheidungen zu treffen und danach zu handeln in dieser leeren Zukunft.“
Schön dazu der Schlussabsatz:
Wir Menschen (und die menschengemachten Systeme) tendieren bei Zukunftsentscheidungen dazu, die eine, uns bestmöglich erscheinende Lösung zu suchen. Die hat allerdings den Nachteil, dass sie auf nur einen möglichen Ausgang der Zukunft passt. Vernünftiger wäre es, eine Lösung zu finden, die auf möglichst viele, vielleicht sogar alle Zukunftsszenarien passen würde: eine, die den geringsten regret produziert, das geringste Bedauern, egal, wie die Zukunft genau aussieht. Das Problem auch dieser ultimativen Idee von Entscheidung ist allerdings, dass sie Ungewissheit erst ab dem Moment reduzieren kann, wenn sie gefällt ist und ihr ein Handeln folgt. Dazu aber, zum wirklichen Handeln, sind wir erst wieder fähig: Wenn das alles erst vorüber ist.
Ich frage mich, was ist die Antwort der Zukunftsforschung auf diese fehlende Zukunft, er schreibt auch No future? Sind wir gerade tatsächlich handlungsunfähig? Ist die Zukunft wirklich leer? Verlangt die Lage nach Flexibilität uns noch intensiver und schneller auf eine sich ändernde Zukunft zu reagieren?
Oder ist die Antwort auf diesen Artikel doch wieder, dass jetzt die Zeit ist zu lernen, wie wir Zukünfte gestalten. Mir scheint, dass die Zukunft für viele plötzlich ein Vakuum ist. Einige versuchen dieses Vakuum mit einfachen Lösungen zu füllen, andere stürzen sich ins tun, wieder andere warten ab. Doch wie können, wir diesen neuen Möglichkeitsraum nutzen, um zu gestalten. An einem Punkt schreibt Peitz, neu sei, das Politik sich plötzlich nach Wissenschaft ausrichtet. Was braucht es, dass sich Politik auch in der Zukunftsforschung umsieht. Und wie schaffen wir es, dass diese Chance nicht an uns vorüber geht und wir weiter machen wie bisher, wenn das alles vorüber ist.“

offene Zukünfte JantjeJantje

„Hier erstmal ein Haufen Fragen, die gerade in meinem Kopf kreisen und noch keine konkreten Antworten haben, um diese aufzuschreiben, aber vielleicht etwas, um gemeinsam zu überlegen.“

offene Zukünfte JonasJonas

„Spannend. Mich bewegt daran der Aspekt des vielfach genannten “wir” und “uns” – das erinnert mich an ein Seminar im Bachelor, als der Prof uns Dekonstruktion am Beispiel “Wir sitzen alle in einem Boot” beibringen wollte. Wer ist dieses “wir”? Gibt es da nicht ganz viel Unterschiedlichkeit, ganz unterschiedliche Bedürfnisse, Sorgen, Wünsche, Hoffnungen?
Und bin ich nicht völlig unfähig mögliche Lösungen für uns zu finden, wenn ich nichtmal die Fragen für mich beantwortet habe? Ich nehme die Krise gerade als Einladung an, wieder mehr mit mir zu sein, meinen Introvert zu streicheln und mich (noch) weniger mit den ganz großen gesellschaftlichen Fragen zu beschäftigen. Das ist vielleicht keine Lösung für alle – aber ich werde wohl eher gestärkt und handlungsfähiger aus der Situation hervor gehen.“

offene Zukünfte JohannesJohannes K.

„@Jantje Mich würde interessieren, welche Beobachtungen du auf Basis deiner Masterarbeit machst. Wo siehst du Bestätigungen oder neue Perspektiven?“

offene Zukünfte JantjeJantje

„@Jonas Drechsel mit dem „wir“ hast du mich erwischt, darüber muss ich nachdenken.“

offene Zukünfte JantjeJantje

„@Johannes Kleske zu deinem ersten Punkt, finde ich sehr spannend die Idee der zusammenbrechenden Zukunft oder auch fehlenden Zukunft (Wording Artikel). Ich bin Donnerstagabend als es langsam dunkel wurde, den Ku’damm vom Adenauerplatz bis zu Uhlandstraße runtergelaufen – normalerweise kurz vor Ladenschluss. Dass heißt eigentlich, gerade einen Tag vor dem langen Wochenende, hätte buntes Treiben, das sich so langsam von den Läden in die Restaurants verschiebt, die Atmosphäre prägen sollen. Stattdessen lag eine friedliche Stille bei lauem Lüftchen über der Einkaufsstraße, dazu kam ein leicht dystopischer Geschmack, ausgelöst durch halb bis komplett ausgeräumte Luxus-Boutiquen. Chanel, Burberry, Cartier und Co. scheinen durchaus mit Plünderungen zu rechnen. Zwischendrin wurde irgendein Laden renoviert und warb an den Fensterscheiben mit dem Spruch: Freuen Sie sich auf ein neues Einkaufserlebnis …

offene Zukünfte JantjeJantje

„Ich muss sagen in meiner Blase, gibt es derzeit zwei Lager. In einem regt sich eine ungeahnte Lust nach neuen Ideen, die anderen sind mehr in so einer wartenden Position, bis es dann endlich wieder „normal“ wird. Vor dem Hintergrund meiner Masterarbeit, die sich sehr auf das Lernen über den Umgang mit Zukunft bezogen hat, stelle ich die These auf: Es braucht Wissen darüber, wie es zu neuen Ideen kommt, mit denen man eine gebleichte Leinwand bemalen kann, um nicht das darunter schimmernde alte Gemälde einfach nachzuzeichnen. Ich habe das Gefühl, viele von uns stehen noch zwischen diesen beiden Optionen, zurück zum alten, den bequemen Weg oder den unbekannten Weg, der vielleicht tatsächlich der Weg alternativer Zukünfte ist, über die wir (noch) nichts wissen, die hinter unseren mentalen Modellen, die sich Individuen über die Zukunft konstruieren, liegen. Wobei noch offen ist, ob es am Ende eine Wahl zwischen beiden Optionen oder etwas dazwischen besteht.“

offene Zukünfte FranziskaFranziska

Transformation

offene Zukünfte FranziskaFranziska

„Zu der Frage von @Jantje, wo „wir“ gerade stehen (zwischen den Optionen) fällt mir ein Modell ein, das sich mit dem Gedanken eines „schwarzen Lochs“ beschäftigt. Das „schwarze Loch“ (s. Screenshot) ist quasi der Krisenpunkt, der umringt ist vom bisherigen Ereignishorizont, drumherum ist das noch Unbekannte, nicht Gewusste, andere Sphären. Der Krisenpunkt, in dem wir laut Modell grad stecken, ist der Moment der totalen Orientierungslosigkeit. Nur wenn man sich von diesem befreit, ist es möglich den Ereignishorizont und damit die Realitäten wieder zu verschieben << future imaginaries? Die Leute vom Institut für partizipatives Gestalten, von denen ich dazu was gehört habe, gehen hierbei von drei Phasen aus: (1) Loslassen der Ängste (=aktueller Zustand?), (2) wachsam sein und sich öffnen für eine neue Form der Intuition und (3) den Intuitionsfunken, die sich schrittweise zu einer Intention formieren, folgen. In dem Modell kommen diese ganzen Evergreens wieder vor (Resonanz, Corona als Transformationsaccelerator...). Bezogen auf Corona sprechen sie auch davon, dass es darauf ankäme, wie man die Krise einordne: als Störung eines Normalzustands oder als Auslöser einer Großen Transformation. Sie enden damit, dass sie mit Verweis auf Otto Scharmers Theory U sich auf das „aus der Zukunft führen lassen“ berufen und dafür plädieren, die eigene Energie nicht in Grübeln rund um Corona, sondern in erwünschte Zukünfte zu stecken. Was aber scheinbar nicht passiert @Johannes Kleske? Sind futures imaginaries eher in „guten“ Zeiten beliebt und woran könnte das liegen? Was ich mich jetzt frage: was kann ZuFo leisten, um die Menschen in ihren Intuitionsfunken zu unterstützen? Ist Intuition überhaupt ein Begriff in ZuFo-Diskursen? Geht es um kollektive oder individuelle Intuition? Welche Ereignishorizonte gibt esgerade? Also auch im Sinne des primären Inputs von Jantje: gibt es da nicht wieder eine totale Sehnsucht nach einer Eindeutigkeit also auch im Sinne von learning, das gesagt werden kann: Corona hatte das und das positive Outcome?"

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